Freitag, 29. Juli 2011

Inge Löhnig - In weißer Stille

„Rund um Island herrschte das seltsame Wetter, das die Seeleute die weiße Stille nennen, denn es rührte sich nichts in der Luft, als seien alle Winde erschöpft, erstorben.“

Dies war vermutlich der letzte Satz, den die an Krebs verstorbene Mutter, Elli Heckeroth, aus dem Buch „Islandforscher“ von Pierre Loti gelesen hat. Nur 4 Wochen später wird der 72 jährige Vater der Geschwister Albert, Bertram und Caroline, ermordet in seinem Wochenendhaus am Starnberger See, gefunden. Festgebunden an einer Heizung, noch dazu mit seinem eigenen Gürtel, hatte er einige Tage um sein Leben gekämpft, bis er schließlich jämmerlich verdurstet ist.
Wolfram Heckeroth war ein vermögender und pensionierter Kinderarzt und überall beliebt. Zumindest schien dies nach Außen hin so zu sein, denn er galt als guter Ehemann und guter Vater. Doch als Kommissar Konstantin Dühnfort und seine Kollegin Gina Angelucci die Ermittlungen aufnehmen und in der Wohnung des ehemaligen Kinderarztes auf mysteriöse Fotos stoßen, beginnt die Fassade zu bröckeln. Heckeroth schien seine Frau permanent betrogen zu haben, hat sogar ein Fotoalbum über all die Jahre hin angelegt um dort seine Geliebten zu verewigen. Die Frauen, die sich auf diesen Fotos in eindeutigen Posen zeigen, waren teilweise festgebunden. Ein Indiz, das das Ermittlerteam zunächst nachgeht und damit jede Menge Staub aufwirbelt. Doch das familiäre Umfeld bleibt davon nicht unverschont. Immer mehr deutet darauf hin, dass auch der jüngere Bruder Bertram, der mit seinem Architekturbüro in Insolvenz geraten ist und hohe Steuerschulden hat, in den Mord verwickelt ist, als letztendlich, ein nach Selbstmord aussehender Todesfall, die Ermittler erneut auf den Plan ruft.

Inge Löhnig hat mit ihrem 2. Kriminalfall ein wahres Meisterwerk präsentiert. Über 440 Seiten Spannung, die nicht einmal abebbte. Sie hat es tatsächlich geschafft, den Spannungsbogen über die ganze Story hinweg auf hohem Niveau zu halten. Ihr Schreibstil ist einfach, aber brillant und flüssig, so dass man das Buch wirklich nicht aus der Hand legen kann. Die kleinen Abschnitte und die ständigen Wechsel der Handlungen lassen den Leser tief in das Geschehen eintauchen und mitfiebern.
Die Figuren und Charaktere hat die Autorin sehr anschaulich, aber nicht übertrieben dargestellt, sodass man schnell die entsprechenden Sympathien für den Einen oder Anderen entwickeln kann. So hat sie beispielsweise das Privatleben der Ermittler in dieser Folge mehr beleuchtet und ist tiefer auf ihre Alltagsprobleme und Sorgen eingegangen als im Vorgängerbuch.
Ein bisschen frustrierend fand ich das offene Ende der Geschichte, das den Leser dann auch mit offenen Fragen zurück lässt. Aber zum Glück gibt es ja schon den 3. Band der Serie, sodass die Auflösung wahrscheinlich dem Buch „So unselig schön“ zu entnehmen ist.

Faszinierend fand ich auch den von der Autorin gewählten Buchtitel. Zunächst dachte ich, der Titel habe etwas mit einem Arztkittel und dem stillen Tod des Protagonisten zu tun, bis ich schließlich auf die Textpassage auf Seite 112 (siehe oben) gestoßen bin. In diesem Zusammenhang möchte ich auch erwähnen, dass mir die einfachen und schlichten Cover, wie bei diesem Buch, am besten gefallen.

Fazit: Das Buch erhält von mir eine klare Kaufempfehlung. Auch wer den 1. Band „Der Sünde Sold“ nicht gelesen hat, kann bedenkenlos in den 2.Teil der Serie um Kommissar Dühnfort einsteigen.

Meine Bewertung:
Seitenanzahl: 443

Kommentare:

  1. Schöne Rezension. Das Buch klingt ja echt spannend. Bei gelegenheit leihe ich es mir vielleicht mal aus. Liebe Grüße, Diti

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  2. Tolle Rezi ... ich habe das Buch auch verschlungen, wie auch das 1. und 3. Buch der Reihe. LG Isabel

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